Schon seit vielen Jahren schwebt es mir als fernes Ziel vor, das Herschel 400-Projekt durchzuführen.

Wilhelm Herschel

Wilhelm (William) Herschel war im 18. Jahrhundert ein begnadeter Astronom, der zusammen mit seiner Schwester Caroline einen Katalog mit über 2.500 DeepSky-Objekten erstellt hat. Er konstruierte seine Teleskope selbst und schliff sogar die dafür erforderlichen Spiegel selbst. (Berühmt wurde er damals durch die Entdeckung des Planeten Uranus). Für seinen großen Katalog nutzte er hauptsächlich ein Gerät mit einem 18,7 Zoll (=475mm) Spiegel.

Wilhelm und Caroline Herschel beim Polieren eines Spiegels (Quelle: Wikipedia)

Die Spiegel bestanden damals aus poliertem Metall (meistens einer Kupfer-Zinn-Legierung) und hatten nicht annähernd die Qualität wie die heutigen Spiegel. Sie liefen auch deutlich schneller an als heutige Spiegel, so dass ein regelmäßiges Nachpolieren erforderlich war.

Der reduzierte Katalog

1976 erstellte der ‚Ancient City Astronomy Club‘ (ACAC) in St. Augustine, Florida aufgrund des Vorschlags eines Lesers der Zeitschrift Sky&Telescope eine kleine Fassung dieses Katalogs mit nur noch 615 Einträgen. Später reduzierten sie diese Fassung auf 400 Objekte.

Sie charakterisierten diesen kleinen Katalog (der nicht unbedingt die hellsten Objekte des Gesamtkatalogs enthält) mit dem Satz „Es ist eine Liste, die erstellt wurde, um die beobachterischen Fähigkeiten eines Amateurastronomen in der nördlichen Hemisphäre zu testen“ (Übersetzung durch den Autor).

Wilhelm Herschel lebte und arbeitete seinerzeit in Bath in Südengland, was etwa auf der gleichen Höhe liegt wie mein Wohnort Bonn. Damit sollten die Objekte eigentlich alle für mich zumindest theoretisch beobachtbar sein. Nun braucht man natürlich ausführliche Unterlagen für solch ein Beobachtungsprojekt.

Der ‚Herschel 400 Observing Guide‘

Ausführliche Herschel 400-Listen findet man diverse im Internet. Für mich ist das Maß aller Dinge in diesem Bereich aber das wunderbare Buch von Steve O’Meara „Herschel 400 Observing Guide“.

Die Basis für mein persönliches Herschel 400-Projekt

Nun gibt es zwar einige Unterschiede zwischen den Lokalitäten. Steve wohnt auf Hawaii in über 1.000m Höhe mit einem grandiosen Nachthimmel. Ich dagegen wohne in Bonn zusätzlich mit dem nur wenige Kilometer entfernten Flughafen Köln/Bonn und einem dementsprechend orange aufgehellten Nachthimmel. Selbst mit meinem C9.25 Schmidt-Cassegrain bleiben diverse Objekte leider oft genug unauffindbar.

Und hier kommt mein eVScope ins Spiel. Dieses wunderbare elektronische Teleskop hat zwar nur einen Hauptspiegel mit 112mm Durchmesser. Dafür hat es aber eine eingebaute Kamera und eine Elektronik, die ein kontinuierliches Live-Stacking der kurzen (max. 4 Sekunden) Einzelaufnahmen durchführt. Das im elektronischen Okular oder auf dem Smartphone / Tablet sichtbare Bild wird dadurch immer rauschfreier. Und zusätzlich zeigt es durch automatisches Histogramm-stretching auch immer mehr und lichtschwächere Details.

Das schöne an Steve O’Mearas Buch ist die ausgeklügelte Vorarbeit, die er für das Beobachtungsprojekt geleistet hat. Die einzelnen Objekte wurden nach ihrer besten Sichtbarkeit (Kulmination) gruppiert und in monatliche Beobachtungsgruppen angeordnet. Jeder Monat ist wiederum in 7 Beobachtungsnächte unterteilt. Für jede Nacht gibt es dann je nach Schwierigkeit der Objekt ein bis sechs Beobachtungsvorschläge. Für jedes Beobachtungsobjekt sind alle relevanten Daten, eine Beschreibung, eine Auffindkarte und ein Foto aus den DeepSky Survey vorhanden.

Beispielseite aus dem Herschel 400 Observing Guide von Steve O’Meara

Es geht bald los…

Ich weiß natürlich nicht, wie lange ich für dieses Projekt brauchen werde. Allein sieben Beobachtungsnächte pro Monat sind in Bonn die große Ausnahme. Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo wetterbedingt drei Monate lang keine Beobachtung möglich war. Aber dank des eVScopes werde ich, wenn der Himmel klar genug ist, sicherlich konstante Fortschritte machen.

Schau’n mer mal“ würde Franz Beckenbauer sagen….. Ich werde über meine Ergebnisse in diesem Blog weiter berichten.

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